Musik und Evangelium (Artikel internationale homepage focolare.org)

Deutschland: Musik und Evangelium

7. Februar 2014

Film-CK-016Christian Kewitsch ist Fokolar und Leiter eines Orchesters in einer Hamburger Schule. Seine Entscheidung für Gott konkretisiert sich im Berufsleben und der Kunst. Ein Weg, um christliche Werte zu bezeugen und weiterzugeben.

„Seit ich den Ruf Gottes wahrgenommen hatte, den Weg des Fokolars zu gehen, schien es zunächst, dass die Welt der Kunst und die vielen Jahre des Musikstudiums keinen Platz mehr in meinem Leben fänden. Aber paradoxerweise gaben mir verschiedene Begegnungen und entstehende Kontakte den Impuls, auf meinen künstlerischen Teil zu achten und den Anregungen zu folgen. Ich habe immer viel Vertrauen von Seiten meiner Freunde im Fokolar gespürt, die nicht so sehr versucht haben, mir Antworten zu geben, sondern mir nahe zu sein und meine Fragen mit mir zu teilen. In der Zwischenzeit übte ich andere Tätigkeiten aus und mir schien, dass dieser ganze künstlerische Bereich für mich wie ein abgefahrener Zug war, den ich verpasst hatte.

Mit der Zeit wurde mir klar, dass das, was Gott uns gibt, nie genau dem entspricht, was wir uns erwarten. Beispielsweise hatte ich Arbeit im Bereich der Musik in den schwierigsten Vierteln meiner Stadt gesucht, unter Immigranten und den Ärmsten, um etwas für sie tun zu können. Aber die intensive Stellensuche blieb auch nach vielen Jahren ergebnislos. Dagegen machte mich ein Kollege darauf aufmerksam, dass das Gymnasium, in dem ich jetzt arbeite, mir eine ganz andere, aber ebenso faszinierende Herausforderung bot: Jugendliche, die materiellen Reichtum besitzen, aber oft nach spirituellen Werten auf der Suche sind.

Seit zweieinhalb Jahren arbeite ich im humanistischen Gymnasium Christianeum in Hamburg, einer Schule mit einer großen Aktivität im musikalischen Bereich, die einige Hundert Schüler umfasst: Chöre, Blaskapelle, Orchester. Ich dirigiere die beiden Sinfonie-Orchester der Schule: das der Kinder von 10 bis 12 Jahren (derzeit 65 Mitglieder) und das der Jugendlichen von 13 bis 18 Jahren (52 Mitglieder).

Film-CK-041Diese Arbeit erfordert vor allem die Fähigkeit, Beziehungen mit den Kindern aufzubauen, aber auch mit den Eltern und den Kollegen. Das bedeutet oft, zu lernen zu vergeben (mir und den anderen). Es bedeutet, jedes Mal neu anzufangen, an die anderen zu glauben über jede Enttäuschung hinaus. Es bedeutet, sich ohne Erwartungen einzusetzen, jeder einzelnen Person Aufmerksamkeit entgegenzubringen und nicht nur der Gruppe als ganzes. All das unter der Voraussetzung der beständigen Suche nach immer größerer professioneller Kompetenz, so dass möglichst auch Kollegen hinzugezogen werden. So beschäftigen wir uns zu dritt mit dem Orchester. Bevor wir etwas entscheiden, versuchen wir zu verstehen, was die anderen denken, indem wir uns aufmerksam zuhören. So erfahren wir, dass die Liebe gegenseitig ist, sowohl in der Erfahrung mit den Schülern als auch unter den Erwachsenen. Ich war überrascht, als man mir sagte, dass in den musikalischen Aktivitäten der Schule „ein guter Geist weht, der eine Atmosphäre der freundschaftlichen Kollegialität schafft, die alle einbezieht.“

Ich nehme wahr, dass mein Leben aus einem Guss ist, soweit ich mit meinen Lebensentscheidungen konsequent bleibe. Ich spüre die gleiche Frische und Neuartigkeit wie in den Zeiten, als ich begonnen habe, nach dem Evangelium zu leben und ich bin wie damals überzeugt, dass man nur so die Welt ändern kann.“