Spontanes Konzert erfreut die Passanten

„Cello meets Harp“ ersetzt russisches Folkloretrio in der Kulturbühne

Viernheim. Nicht wenige Passanten blieben kurzzeitig verwundert stehen, als sie die ungewohnten Klänge der keltischen Harfe gepaart mit den dunklen Tönen des Violoncello bei einem abendlichen Spaziergang in der Lorscher Straße vernahmen. Sie wurden Zeuge eines Spontankonzerts in der Kulturbühne Viernheim, deren wegen des warmen Wetters geöffnete Türen auch die Passanten in den Genuss der Musik kommen ließen.

Geplant gewesen war eigentlich der Auftritt eines russischen Folkloretrios, doch wegen der geringen Resonanz im Vorverkauf war dieses abgesagt worden. Mit dem ehemaligen Musiklehrer der Albertus-Magnus Schule, Christian Kewitsch, am Violoncello und seiner Partnerin an der Harfe, Laurie Rasmussen hatten die Organisatoren der Kulturbühne, Bernd Schneider und Manfred Brandmüller, allerdings einen würdigen Ersatz gefunden. Die beiden Musiker, die gerade ihre zweiwöchige Tour durch Deutschland beendet hatten, boten den Zuschauern ein buntes Programm unter dem Titel „Cello meets Harp“. Hauptsächlich irische und schottische Tänze enthielt das Programm, variierte aber auch an vielen Stellen. Ihre Liebe zum traditionellen, keltischen Genre zeigte die aus Portland, Orgeon stammende, zierliche Harfinistin Laurie Rasmussen so auf beeindruckende Weise.Kulturbühne

Rasmussen, die zwei Jahre beruflich Harfen gebaut hatte und erst anschließend ihre Liebe zur Ausübung des Instruments entdeckte, unterhielt also in Unterbrechungen immer wieder mit kleinen Kommentaren zu den Liedern. Hauptsächlich traurige Liebeslieder über Sehnsucht und gebrochene Herzen, über die verlorene und unerwiderte Liebe prägten das Programm, doch einen Schwerpunkt legten die beiden Musiker auch auf die Werke des irischen Musikers Turloug OCarolan.

„Er war einer der Harfenspieler des 18. Jahrhunderts, der mit dem Pferd übers Land ritt und seine Unterhaltung anbot, obwohl er blind war. Er schrieb über 200 Melodien“, erklärte Laurie Rasmussen dem interessierten Publikum. Turlougs Werke wurden entscheidend beeinflusst durch die Barockmusik des Kontinents und so enthielt das Programm auch Stücke von Strauss und Bach. Höhepunkt des Abends aber war mit Sicherheit die Interpretation zweier Stücke von Sting, „Fields Of Gold“ und „Fragile“ mit Unterstützung des Heidelberger Studenten Daniel Kraft an den Drums. Den entscheidenden Anstoß für dieses musikalische Experiment, das zweifellos gelungen war, hatte Kewitschs Leidenschaft für die Musik von Sting gegeben.

Den Abschluss des mit großem Applaus honorierten Konzerts bildete „Guten Abend, gut Nacht“ von Brahms, bei dem das Publikum leise mitsummte und mit langem Applaus die Künstler praktisch zu einer Zugabe zwangen. stb

© Südhessen Morgen   –   18.06.2002