Kammermusik, die unter die Haut geht

Paolo Vergari am Klavier und Cellist Christian Kewitsch beeindrucken zum Auftakt des Chaiselongue-Jahresprogramms, das von Manfred Brandmüller (r.) vorgestellt wird.

Viernheim. Das war ein eindrucksvoller Start ins Jahresprogramm von Chaiselongue – Kunst und Soziales: Mit Christian Kewitsch (Violoncello) und Paolo Vergari (Klavier) stellten sich zwei Solisten vor, deren musikalische Wurzeln in Italien liegen. Beide wurden mit verschiedenen Formationen bei Konzerten in mehreren Ländern international bekannt.

Musikfreunde werden voller Freude gelesen haben, dass der große französische Altmeister des Barocks Francois Couperin und der in Frankreich nicht minder hoch verehrte Gabriel Fauré neben Johannes Brahms und Ludwig van Beethoven auf dem Programm standen: Man konnte demnach einen besonders vielgestaltigen Kammermusikabend erwarten, denn zu dem französischen Musikempfinden zwischen dem 17. und 19. Jahrhundert erwartete die Zuhörer die verinnerlichte Musik Beethovens und die von norddeutscher Gelassenheit, Wiener Lebensfreude und ungarischem Temperament geprägten Kompositionen Brahms.

Es waren durchweg musikalische Edelsteine, die leuchteten. Denn der bezaubernde, weiche Klang des Cellos veranlasste die meisten Komponisten dazu, für dieses Instrument einzigartige Kompositionen zu schaffen, wie es der große Cellist Professor Hölzer einmal formulierte.

Mit „Pièces en concert“ für Violoncello und Klavier von Francois Couperin (1668 -1733) begann der Klassik-Abend vielversprechend. Es ist erstaunlich, wie Couperin, den die Franzosen liebevoll „Le Grand“ nennen, Stimmungen musikalisch zu vermitteln vermag. In fünf Sätzen schildern Cello und Klavier in feiner Phrasierung völlig unterschiedliche Empfindungen, die von der Stille über die Freude und Klage bis zu einem Teufelsritt reichen. Das Cello lässt die Klage mit dunklen, verhaltenen Passagen spürbar werden. In der Welt des Teufels jedoch dominiert der Klavierpart mit zum Teil wilden, virtuosen Läufen.

Regelrechtes Feuerwerk 

Bei der Sonate Op. 5 Nr. 1 für Klavier und Violoncello von Ludwig van Beethoven (1770 bis 1827) zündeten die beiden Solisten ein regelrechtes Feuerwerk. In den vier Sätzen bewundert man die herrlichen Dialoge zwischen Cello und Klavier im Adagio sostenuto und wird mitgerissen, wenn im Wechsel der Instrumente das Thema des Allegro vivace vor dem Schlussakkord herrlich variiert wird.

Bei Gabriel Fauré (1845 bis 1924) wird man unwillkürlich an Cesar Frank erinnert. Bei der „Elegie Opus 24“ für Violoncello und Klavier war das jedenfalls spürbar. Bei dem molto adagio glänzt der Cellopart mit sanftem Saitenzauber. Dabei gelang es den beiden Interpreten, aus vielstimmigen Klangwolken Motive und Melodien herauszulösen. Das war gemeinsame Spielfreude exzellenter Instrumentalsolisten.

Der letzte Beitrag kam von Johannes Brahms (1833 bis 1897). Die „Sonate für Klavier und Violoncello Op. 38“ ist ein Beispiel für die musikalischen Kontraste des Komponisten. Die drei Sätze des Werkes mit mehreren Tempo- und Themenvarianten werden verbunden durch eine liebenswerte polyphone Zweisamkeit, aus der sich immer wieder eines der beiden Instrumente zu effektvollen Soloparts löst. Nach schwerblütigen Wogen folgt serenadenhafte Heiterkeit, die Klangbalance zerfällt in Fragmente. Man meint bei den verschiedenen Spielphasen der Brahmschen Komposition auch dessen Hinwendung zur ungarischen Musik herauszuhören.

Das war Musik, die unter die Haut ging – und die Leistung zweier hervorragender Solisten, die zum Schluss minutenlangen stürmischen Beifall erhielten. Sie bedankten sich mit einer Miniatur von Rachmàninow als Zugabe.

Zu Beginn hatte Manfred Brandmüller auf das Jahresprogramm von Chaiselongue hingewiesen. Die Veranstaltungen stehen im Dienst einer guten Sache. Mit dem Erlös wird das Förderband unterstützt. Besonderen Dank sagte Brandmüller den Amici d’Italia, durch deren Einsatz und Unterstützung dieses Konzert möglich geworden sei.

© Südhessen Morgen, Montag, 09.03.2015
chaiselongue konzert

Bild vom Konzert (aus den Viernheimer Nachrichten)